Neues Theaterstück in Arbeit

Sicher ist denen, die dauerhaft an meiner Arbeit interessiert sind, aufgefallen, daß ich mich in den letzten Wochen und Monaten sehr rar gemacht habe. Auch wurden keine Neuigkeiten von mir versand. Das liegt allerdings daran, daß ich mit den Proben zu einem neuen Stück begonnen habe und ich freue mich, nach meinen Lyrikprogrammen nun einmal wieder Theater spielen zu können. Und das tue ich nicht allein, sondern ich habe das Vergnügen mit der Schauspielerin Andrea Ummenberger ein Zwei-Personen-Stück zu spielen.

Um was geht es in dem Stück? Diese Frage ist schnell beantwortet, es geht schlicht und einfach um das Thema Hochzeit!

In der heutigen Zeit regiert die Schnelllebigkeit unseren Alltag. Blieben die Menschen früher ihrer Automarke, der Telefongesellschaft und dem Stromanbieter ein Leben lang treu, regiert heute der schnelle Wechsel – auch was Freundeskreise und Wohnorte anbelangt. So nimmt es nicht Wunder, daß der Partner sehr oft die einzige Konstante im heutigen Leben ist. Die Menschen haben eine unstillbare Liebessehnsucht. Diese manifestiert sich dann im teilen des Alltags mit einem Partner. Wird diese Partnerschaft dann noch mit einer Ehe gekrönt, stellt das einen besonderen Liebesbeweis dar. Entgegen allem, was wir heute erleben, ist die Ehe mit ihrem Versprechen einer dauerhaften Bindung auf Langfristigkeit ausgelegt.

Wenn sie mit einer Beobachtungsgabe ausgestattet sind, können Sie insbesondere in den Monaten Mai bis August vor den Standesämtern und Kirchen nicht nur Hochzeitspaare sehen, sondern können an den Gesichtsausdrücken erkennen wie die Hochzeitsgäste zu dieser Verbindung stehen. Und am leichtesten erkennen sie gemein hin den Brautvater. Denn der verliert nicht nur die geliebte Tochter, sondern – und scheinbar ist an dieser Tradition immer noch ein Fünkchen Wahrheit – stattet die Hochzeitsfeier auch noch aus.

Hochzeiten sind wie ein üppiges kalt- und warmes Büfett der Gefühle. Es wird von allem was geboten – Tränen, Lachen, unterdrückte Witze, offene Fettnäpfchen, spitze Zungen weiche Knie, Masken und Demaskierungen, die vorgehaltene Hand und den ehrlichen Knochen.

Doch ehe es soweit ist, bedarf es einiger nicht gerade weniger Vorbereitungen. Noch dazu, wenn es darum geht, dass ein Vater mit dem Heiratsbegehren seiner Tochter konfrontiert wird. Um so schlimmer, wenn es die einzige Tochter des Vaters ist und dieser obendrein noch erfolgreicher Steuerberater ist. Dann kann es durchaus passieren, dass sich die Gefühle über die Kosten eines solchen Festes und das Wissen darum in den Vordergrund drängen, mal ganz abgesehen, dass die Verlustangst alles überschattet und der Schwiegersohn niemals den Ansprüchen gerecht werden kann. Noch dazu wenn dieser noch Student ist.

Nichts scheint bei der Tochter geholfen zu haben, das jahrelange Impfen mit der pädagogischen Maxime des Vaters ein gewisses Misstrauen gegenüber seinesgleichen in heutigen Verkleidungen an den Tag zu legen. Diese Situation allen Vätern einer Tochter aufzuzeigen oder nachzuempfinden haben ich mir also gemeinsam mit Andrea Ummenberger zur Aufgabe gemacht.

In dem Stück mit dem Arbeitstitel „Ja – ich will“, werde ich als „Familienoberhaupt“ und als Steuerberater mit eben der Tatsache konfrontiert, dass meine einzige Tochter – dargestellt von Andrea Ummenberger – heiraten will. Sie ist unsterblich verliebt in einen noch studierenden Keltologiestudenten. Da ist die persönliche Krise des Vaters und die der ganzen Familie vorprogrammiert.

Plötzlich tritt so ein Patrick in das Leben der Tochter und ganz schnell verändern sich die Koordinaten. Warum der? Fragt sich das mäkelnde Vaterherz, ganz bei sich alleine, versteht sich, Kritik wäre kontraproduktiv.Die Brautmutter – ebenfalls von Andrea Ummenberger gespielt – ganz von dem Wunsch beseelt eine grandiose Hochzeit ihrer Tochter auszustatten, tritt mit den Mitteln einer Frau gegen die Bedenken des Vaters an. „Würdest Du nicht bei jedem Mann Einwände erheben? Hast Du Dir nicht gerade noch Sorgen gemacht ob Deine Tochter die Kurve überhaupt noch kriegt?“

Nicht zuletzt treibt die Weddingplanerin – auch von Andrea Ummenberger gespielt – ebenfalls die Kosten dieser Hochzeit in die Höhe, was zur Folge hat einen Kredit aufnehmen zu müssen, denn eine Diskounthochzeit kommt keines falls für Tochter und Mutter in Frage. Das wiederum bringt das Beraterherz in ziemliche Infarktnähe. Wie schon gesagt, Hochzeiten sind wie ein üppiges kalt- warmes Büfet der Gefühle. Keines kommt an die eigenartige Stimmung heran, die sich einstellt, wenn ein Vater seine geliebte Tochter abgibt, um sie, vermählt, als glückliche Frau neu zu gewinnen.

Und so freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit Andrea Ummenberger und werde Sie über den Premierentermin rechtzeitig informieren. Natürlich können Sie über die Terminseite auch meine anderen Auftrittsorte und Zeiten erfahren. Ich würde mich sehr freuen wenn ich Sie zu der einen oder anderen Veranstaltung begrüßen darf.

Bis dahin verbleibe ich mit den herzlichsten Grüßen aus der schönen Stadt Halle als Ihr

Hagen Möckel