Über einen Hinterbänkler im Staatsorchester und die Hassliebe zu seinem Instrument „Der Kontrabass“

Hagen Möckel "Der Kontrabass"

Zu meinem 25 jährigen Bühnenjubiläum möchte ich das Publikum mit einer besonderen Premiere überraschen. Diesmal jedoch möchte ich kein Programm vorstellen, sondern unter der Regie von Erhard Preuk darf ich in die Rollen eines Kontrabassisten schlüpfen, der mit seinem Instrument, der Orchesterwelt, diversen Komponisten und Dirigenten abrechnet – und letztlich auch mit sich selbst.

So werde ich die Zuschauer in dem Stück „Der Kontrabass“ von Patrick Süßkind an den Ausführungen dieses Musikers teilhaben lassen, der Wagner hasst, der gern einmal aus Rache ein paar Noten unterschlägt und mit viel Bier gegen den Feuchtigkeitsverlust und den Orchesterfrust ankämpft.

Der Kontrabassist am dritten Pult, der „Tuttist“, erklärt gern sein Instrument, erläutert mittels Plattenspieler für ihn grauenhafte Kontrabass-Soli und ist zu all dem noch unsterblich in die Sängerin Sarah verliebt.

Natürlich – und wie kann es anders sein – ist an seiner Misere nicht er selbst sondern ausschließlich sein schreckliches, unhandliches und unelegantes Instrument – „Der Kontrabass“ – schuld, mit dem er in einer Art Hassliebe verbunden ist.

Die Ausführungen dieses Musikers, die durch den Alkoholkonsum immer intimer werden, lassen einen hin- und hergerissen sein zwischen Mitgefühl und Lachen.