Lyrische Aussendung KW 40

In dieser Woche steht für mich seit geraumer Zeit wieder Mozart hoch im Kurs. Ich freue mich am Freitag, den 02.10.2015, um 20:00 Uhr mit dem Ensemble der Hauptstadtoper Berlin in „Die Hochzeit des Figaro“ auf der Bühne stehen zu dürfen.

So spielt in meinem Gedicht für diese Woche natürlich auch Wolfgang Amadeus Mozart eine gewichtige Rolle. Der Verfasser des Wochengedichts diesmal ist Peter Hacks.

Aber, tatsächlich hat Mozart auch Gedichte verfasst, nun ja, Gelegenheitsgedichte. Aber er hat es damit immerhin in eine Anthologie gebracht, die Maßstäbe setzt, nämlich in Reclams großes Buch der deutschen Gedichte.

Gern gebe ich hier eine Leseprobe zu Mozarts „dichterischem Schaffen“:

Hier ruht ein lieber Narr

Hier ruht ein lieber Narr,
Ein Vogel Star.
Noch in den besten Jahren
Musst er erfahren
Des Todes bittern Schmerz.
Mir blut’ das Herz,
Wenn ich daran gedenke.
O Leser schenke
Auch du ein Tränchen ihm.
Er war nicht schlimm;
Nur war er etwas munter
Ein lieber loser Schalk,
Und drum kein Dalk.
Ich wett er ist schon oben,
Um mich zu loben
Für diesen Freundschaftsdienst
Ohne Gewinst.
Denn wie er unvermutet
Sich hat verblutet,
Dacht er nicht an den Mann,
Der so schön reimen kann.

Die Verse vom „lieben Narr“ sind am 4. Juni 1787 (also im Don-Giovanni-Jahr, übrigens auch in einer ganz wunderbaren Inszenierung in der Hauptstadtoper zu erleben) entstanden, nur wenige Tage nach dem Tod von Mozarts Vater Leopold. Vater und Sohn hatten sich ein wenig entfremdet, und so ist es nicht etwa Leopold, dem Wolfgang einen poetischen Nachruf hinterherschickt, sondern ein Star, der ihm über drei Jahre hinweg Gesellschaft leistete. Den gefiederten Hausgenossen hatte Mozart Ende Mai 1784 für einen Preis von 34 Kreuzern erstanden. Der brave Vogel soll das Finalthema aus dem G-Dur-Klavierkonzert KV 453, an welchem sein Herr damals arbeitete, bald nachgezwitschert haben.

Ich „zwitschere“ Ihnen nun das Gedicht von Peter Hacks und wünsche Ihnen eine wunderbare Woche: